FreiRäumen - Umzug ins Grüne

09.09.2014:
Schauspieler und Lottogewinner lädt zur Hausführung ein / Tanzperformance im Bunker

Das Schwankhallen-Team zieht aus. Gleich zwei Stücke sind nicht auf der klassischen Bühne zu sehen, sondern auf dem Stadtwerder und in einem Bunker. Es sind Orte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Tim Gerhards hat sich für seine Tanzperfomance „Find the Gap!“ einen dunklen Bunker in der Lloydstraße ausgesucht. Schauspieler Peter Trabner hingegen macht gleich sein erworbenes Haus zur Bühne. Bei dem Neu-Bremer und frisch gebackenen Millionär ist das Glück eingezogen. Im vergangenen Jahr durfte er sich über einen stolzen Lottogewinn von 13,5 Millionen Euro freuen. Was tun mit so viel Geld? Kurzerhand legte er seine Arbeit nieder und zog von der Spree an die Weser. Einen Teil des Vermögens investierte er in ein gerade fertig gewordenes Haus auf dem Stadtwerder. Nun lädt er die Bremer zur Hausbesichtigung ein.  
Autor und Regisseur Lajos Talamonti nimmt Trabners Umzug zum Anlass, in zwei Performances das psychosoziale Mikroklima des Stadtwerder zu untersuchen. Talamontis Interesse gilt einem aktuellen Thema, das nicht nur den Neustädtern unter den Nägeln brennt: Bebauung.
In Teil 1: „LICHTUNG (manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern werch ein illtum)“ erzählt der ewig umherziehende Trabner von seinem neuen Leben in der minimalistischen Villa und vom Sesshaftwerden.
Einen normalen Theaterabend darf das Publikum also nicht erwarten. Aber es kann verfolgen, wie Talamonti einen alten Freund mit Brot und Salz besucht und einen Blick in die minimalistische Würfelvilla werfen. Die Türen öffnen sich am Donnerstag, 18. September, (19 Uhr). Treffpunkt ist an der Schwankhalle.
Das zweite Stück der psychopolitischen Untersuchung heißt „Stadt des Lichts – Resozialisierung spielen“. In einer Mischung aus Talk-Show und Nachbarschaftsspiel lädt Talamonti dann wieder ganz traditionell in die Schwankhalle ein. Die Darsteller nehmen die Frage unter die Lupe, wie glücklich man in einer Stadt sein kann. Premiere ist am Donnerstag, 6. November (20 Uhr).

Die Bühne der Schwankhalle lässt auch der Regisseur und Choreograf Tim Gerhards hinter sich. „Find the Gap!“ heißt seine Tanzperformance, die an einem besonderen Ort aufgeführt wird – er braucht kein Bühnenbild, um die Gefühle der Tänzer widerzuspiegeln. Das Trio wird in einem Bunker tanzen. Umgeben von einen Meter dicken, fensterlosen Mauern, durch die es nur ein Entrinnen durch die kalte Stahltür gibt. „Die Atmosphäre ist beklemmend und kühl, man fühlt sich fremd, genau das ist das Thema“, sagt Gerhards. Tänzerisch werden die grotesken Elemente einer fremdbestimmten Gesellschaft herausgearbeitet und Utopien autonomer Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

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