Aller Tage Abend

Wie lang wird das Leben des Kindes sein, das gerade geboren wird?
Wer sind wir, wenn uns die Stunde schlägt? Wer wird um uns trauern?
„Aller Tage Abend“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die vielen Leben, die in einem Leben enthalten sein können.
Verschiedene Varianten eines Lebenslaufs werden durchgespielt. Eine Frau stirbt fünfmal und steht – vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – viermal wieder auf.

Ein jüdisches Kind stirbt im galizischen Brody. Oder doch nicht? Stirbt als unglücklich Liebende im Wien des Jahres 1919. Oder doch nicht? Stirbt 1938 als Verratene während der Zeit der Schauprozesse in Moskau.  Als hochgeehrte Schriftstellerin in der DDR, als  von allen Vergessene in einem Altersheim nach der Wende. Oder doch nicht?

Der Tod ist immer nur eine von mehreren Möglichkeiten, und durch eine ungeahnte Wendung der Geschichte ist die Heldin im nächsten Buch dem Tod entronnen und tritt dem 20. Jahrhundert aufs Neue gegenüber. „Schicksal“ erweist sich als ein unfassbares Zusammenspiel von Kultur- und Zeitgeschichte, von familiären und persönlichen Verstrickungen und Lebenslügen. Der Zufall aber sitzt bei alldem „in seiner eisernen Stube und rechnet“.

Aller Tage Abend ist nicht zuletzt ein Panorama des Scheiterns an der Gewalt des zwanzigsten Jahrhunderts, die wie ein Moloch über den Einzelnen hinwegfegt, : „Als sie noch lebendig war, musste sie im vergangenen Sommer zusammen mit den andren Frauen draußen vor dem Lager mehrere große Gruben ausheben, damit sie später im Winter, wenn der Boden gefroren wäre, einen Platz hätten, wo sie sich begraben könnten. Gemeinsam haben sie sich selbst und ihren Freundinnen, auch ihren Feindinnen, und auch denen, die ihnen gleichgültig waren, Gräber gegraben auf Vorrat.“ Workuta, ein stalinistischer Gulag, wo  die noch nicht vierzigjährige Frau H. verscharrt wird, liegt auf 45.61404 Grad nördlicher Breite und 70.75195 Grad östlicher Länge.

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Besetzung & Termine


Lesung, Tanz und Live-Musik nach Jenny Erpenbeck
Tanz: Magali Sander Fett
Es liest:Franziska Mencz
Musik: Michael Rettig (Klavier), Miran Zrimsek (Cello)

Am Fr, 07. und Sa, 08.03.2014 I 20:00 Uhr | Alter Saal

Presse

'Jeder Weg führt ins Grab. Das ist eine Binsenweisheit. Aus ihr macht Jenny Erpenbeck einen großartigen Roman. Weil sie das Grab nicht ans Ende stellt, sondern an den Beginn. An den Beginn ihres Buchs, an den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und an den Beginn des Lebens eines Mädchens. Ein paar Monate ist das Kind nur alt, da erstickt es in der Wiege und liegt am Tag danach in der Erde. „Über einem Säugling, der plötzlich gestorben ist, wölbt sich der Hügel fast gar nicht.“ Das ist der lapidare, fast schon fatalistische, immer aber unverkennbare Ton, in dem Jenny Erpenbeck ihren Roman „Aller Tage Abend“ erzählt.' Andreas Platthaus für faz.net am 17.08.2012

'Wie ein Haus mit vielen aufeinanderfolgenden Geheimtüren, die normalerweise undurchdringlich wären, öffnet das Buch immer neue narrative Räume. Sich darin jeweils aufzuhalten ist durchaus anregend; das eigentliche Erlebnis aber ist das Hindurchgehen.' Katarina Granzin in der taz am 11.11.2012

»Aller Tage Abend« (Longlist Deutscher Buchpreis 2012)

Gefördert von der Arbeitnehmerkammer Bremen

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(Mo-Fr. 10 - 15 Uhr oder AB)
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