ANTONIA JILEK, PROFICOMPUTERSPIELERIN - KULTURKOPF AM 08.01.11

Ingame sein

Manche Dinge ändern sie kaum. Sieht man von der rhythmischen Sportgymnastik oder dem Synchronschwimmen ab (die ja ihrerseits die Genderregelungen just in diese Richtung eher zementieren), kommt professionell sportlich agierenden Frauen ein Status irgendwo zwischen Amazone und exotischem Supplement zu. Das ist bei den Realkontaktsportarten wie, sagen wir: Boxen oder Fußball (immer noch) so; und auch bei den elektronischen Sportprofis ist das (noch nicht) wirklich anders - hat sich sonst doch einiges geändert. Mit GPS-gestützten Schnitzeljagden würde "eine Art Fußball für die Generation Gameboy" geschaffen, meinte im vergangenen Jahr Kulturkopf Tom Nicolai.

Nicht ohne einen gewissen Stolz vermeldete das 3sat-Kulturtechnikmagazin nano in einem Beitrag über Ego-Shooter, die 22 Jahre alte Bremerin und professionelle Counter-Strike-Spielerin Antonia Jilek studiere Religion an der Bremer Universität. Auch wieder eigenartig, aber immerhin ein Schritt in Richtung einer normalisierten Auseinandersetzung mit Computerspielen. Wobei das mit dem Spielen (oder zumindest der Heimischeküchebrettspielvorstellung davon) so eine Sache ist, wenn man sieht, wie Jilek und ihre Kolleginnen vom Team Alternate konzentriert an Computern sitzen und die Trainingslagerstreifzüge in der Analyse noch einmal durchgehen. Ersetzt man die Ledercouch in Gedanken durch eine Taktiktafel, könnte es so auch in der Kabine von Turbine Potsdam vorm Europapokalrückspiel zugehen. Nur dass das Team ein Team ist - ohne Trainerin. "Wäre es ein Einzelspieler-Spiel" bilanziert Jilek ihre sieben zurückliegenden Counterstrike-Jahre, "hätte ich glaube ich schon längst damit aufgehört. Das Miteinander ingame, ist, wohl das, was mich immer noch fasziniert."

Gast

Der Weg zur Profikarriere sei anfangs vor allem darum schwierig gewesen, weil Jilek zu jung war, um auf Lanparties zu fahren. Seinerzeit spielte sie aber schon in einem der 'female Topteams' in Deutschland. Mit männlichen Vorurteilen im eSport sei sie schon früh konfrontiert worden. Die Redaktion von mousesports.com dokumentiert beim Interview freundlicherweise das Lachen mit, wenn Antonia Jilek vermutet: "Ich denke, das ist eigentlich in jedem Spiel so, dass die Männer meinen, irgendwelche Kommentare von sich zu geben, um von sich selbst abzulenken, weil sie vielleicht selber schlechter sind? Mir ist es egal, was irgendwer gegenüber Frauen im eSport sagt. Ich weiß was ich kann und ich denke, das haben auch schon einige Männer zu spüren bekommen."

Sendung

Ob die vorsätzliche Aussicht auf gesündere Ernährung auch nach dem Dreikönigstag bestand hat, was Japan von Mauritius trennt, was sie an einem Aston Martin fasziniert, ob in der Winterpause mit Neuzugängen in ihrem Team zu rechnen ist und wo und wie sie sich in Bremen am liebsten zurecht findet, erzählt Antonia Jilek am 8. Januar 2011 beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Von 11 bis 13 Uhr unterhält sie sich mit Gastgeber Andreas Schnell. Live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder per Stream unter www.kulturkoepfe.de sowie www.weser-kurier.de

Mitwirkende
Gastgeber: Andreas Schnell
Gast: Antonia Jilek
Technik: Johannes Katzenberger
Redaktion: Kathrin Schäfer
Foto: Kay Michalak

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(Mo-Fr. 10 - 15 Uhr oder AB)
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