HORST TEMMEN, VERLEGER - KULTURKOPF AM 20.11.10

Unterm roten Seestern

Um eine Stadt zu verstehen, ist es mitunter ratsam, zu beobachten, welche Bilder sich eine Stadt von sich selbst macht. Handelt es sich bei der Stadt um Bremen und geht es um Bilder, geschriebene, fotografierte, gezeichnete, die in Buchform daherkommen, spricht man von Bremensien. Die sind manchmal altmodischer und maritimer als die Stadt selbst, pendeln zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen nostalgischer Wohligkeit und welt- wie weitblickener Urbanität hin und her. Eine ganze Reihe von Büchern über, wegen, trotz, mit, gegen oder aus Bremen sind in den vergangenen gut 25 Jahren in der Edition Temmen erschienen. Gestaltet, kalkuliert, beworben, konzipiert und bedacht in einem alten Haus direkt neben dem Hermann-Böse-Gymnasium.

Horst Temmen hat bereits Bücher herausgebracht, bevor er eigentlich Verleger war. Zusammen mit Helmut Donat - die Wege trennten sich bald und Donat machte seinen eigenen Verlag auf - gab Temmen Bücher heraus, die in erster Linie politich waren: Publizistiche Nachrichten aus der Dissidentenszene des letzten osteuropäischen Pakt-Jahrzehnts, Schriften aus der Geschichte des deutschen Pazifismus. Reden von Gorbatschow erstmal gesammelt in deutscher Übersetzung. Das Firmensignet zeugt auch von dieser Frühphase des Verlegers Horst Temmen. Es ist ein schattig roter Seestern

Gast

Womit die Brücke geschlagen ist zum späteren Schwerpunkt der Edition. Denn auch wenn Bücher über die Schülerproteste der späten 1960er Jahre oder, wie unlängst, ein Titel zur rockistischen frühgeschichte der Hansestadt erscheinen, findet man ein deutlich breiteres Sortiment norddeutscher Titel. Werder-Meisterbuch, Schoorgeschichten auf Platt, schmuckdosenverpackten Kaffee und Roland en miniature inklusive. Denn irgendwann ist Horst Temmen Verleger geworden. Was manchen Lokalpatrioten irritieren mag: Wenn es sich rechnet, kommt eben auch in Bremen das Buch "Unser HSV" heraus, in der Premiumausgabe zu Neununddreißigneunzig.

Horst Temmen selbst lebt inzwischen die meiste Zeit des Jahres mit seiner Familie in Thailand. Vielleicht auch, weil da das engagierte, manchmal hektische, jedenfalls zeitintensive Verlegerleben besser auspegeln kann.

Sendung

Von seiner privaten Globalisierungsgeschichte, von kulturellen und Räumlichen Distanzen, vom Vatersein in zwei Lebensabschnitten, von seiner Sicht der bremischen Dinge und seinen buchfreien Tagen erzählt Horst Temmen beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Am 20. November von 11 bis 13 Uhr unterhält er sich mit Janine Claßen. Live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder jederzeit per Stream untere www.kulturkoepfe.de sowie www.weser-kurier.de

Mitwirkende
Gastgeberin: Janine Claßen
Gast. Horst Temmen
Redaktion: Kathrin Schäfer
Foto: Kay Michalak

Tickets
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Tel. 0421 520 80 70
(Mo-Fr. 10 - 15 Uhr oder AB)
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