JULIA GYPAS, JOURNALISTIN UND REDAKTEURIN CENTER-TV – KULTURKOPF AM 01.01.11

Gerne sprechend

Zu den gruseligsten Geschichten, die das Kino vom Regionalfernsehen erzählt, gehört gewiss Gus van Sants Psychogramm einer lokalen Wettergröße in To Die For. Ganz anders als Nicole Kidmans Figur, schaut die Realität an der Weser ein wenig beschaulicher aus. Julia Gypas erzählt davon ihre eigene aktuelle Lebensgeschichte. Seit fast einem Jahr ist die 28-Jährige Redaktionsleiterin beim Bremer Fernsehsender Center-TV.
In ihre neue Position ist sie direkt aus ihrer Volontariatsstelle aufgestiegen. "Das passiert nicht oft, aber es ist - mit ungefähr dreißig Leute - immer noch ein kleiner Sender, da ist so etwas möglich." Immerhin ist sie fast ein Urgestein beim Sender, der seit dreieinhalb Jahren auf dem regionalen Bildschirm verfügbar ist. Im Norden kennt sie sich gut aus, verheißt ein Blick in die Vita der Journalistin. In Hannover ging sie zur Schule, in Bielefeld hat sie studiert, in Berlin ihr Journalismusdiplom erarbeitet. Zwischen WDR und RB-Regionalstudios und Rundfunk und Zeitungsstationen wie FFN oder Bild sondierte Gypas lernend den öffentlich-rechtlichen wie den privaten Medienmarkt. Um schlussendlich an der Weser zu landen. "Während des Studiums habe ich mich durch die Praktika geschlängelt", sagt sie, "und dabei gemerkt, dass ihr das Fernsehen am ehesten liegt. Das Moderieren war gar nicht mein Ziel, ich wollte Fernsehredakteurin werden." Das Fernsehen als einigermaßen komplettes Medium bot ihr dann einen Platz. Und zwar in einem neuen Sender, der in Zeiten des Streamings und der Onlineangebote groß wird.
"Bremen hat, wenn man das ein bisschen kleiner sieht, ganz viele tolle Leute", sagt Gypas über ihre gegenwärtige Lebens- und Arbeitsstadt. "Leute, die auch überregional mit Preisen geehrt werden - Bremen ist etwa ein toller Raumfahrtstandort - darauf kann die Stadt schon stolz sein. Auch wenn's mir keiner glaubt, ich meine es sehr positiv, wenn ich sage: Bremen ist die kleine Schwester von Hamburg." Was Bremen ausmacht. Im Verhältnis zur Region und der Welt, ist auch eines der Grundthemen des Nachrichtenformats Weser-Zeit, das Gypas moderiert. Im vergangenen Sommer ging sie zudem für eine Krankenversicherung auf Moderationstournee, suchte das Gespräch mit Sportlerinnen und Fitnessgurus.

Gast

Was Julia Gypas vermutlich von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen unterscheidet, dürfte die Liebe zu griechischer Popmusik sein. Wegen der Mischung aus Melancholie und Freude - auch wenn ihr Vater und der griechische Teil ihrer Familie das nicht so gerne hörten. Die hätten lieber, dass sie Theodorakis mag. "Die Geschichte meiner Eltern ist ganz romantisch: Mein Vater ist der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Damals gehörte Griechenland noch nicht zur EU." Der Elternehe verdankt Julia Gypas nicht nur sich selbst und ihre Eltern, sondern auch eine lupenreine Zweisprachigkeit. "Ob es das heute noch häufig gibt: Dass sich Leute im Urlaub kennen lernen, dann heiraten und über dreißig Jahre gerne zusammen bleiben?" Vielleicht passt dieser Blick auf (auch die eigene Familien-) Geschichten zu ihrem beruflichen Traum. Irgendwann einmal, sagt Gypas, mochte ich Redakteurin einer öffentlich-rechtlichen Talkshow sein.

Sendung

Wie sie fast Redakteurin einer privaten Daily-Talkshow wurde, warum sie gerne gewusst hätte, wer Michael Jackson wirklich ist, wie man ein Jahr Maryland überlebt, warum man Männer loben muss, wie man sich berufliche Neugier erhält, wie man betriebsblind fernsieht, erzählt Julia Gypas beim Radiofrühstück in der Schwankhalle ihrem Gastgeber Andreas Schnell. Von 11 bis 13 Uhr live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder ständig per Stream unter www.kulturkoepfe.de sowie www.weser-kurier.de

Mitwirkende
Gastgeber: Andreas Schnell
Gast: Julia Gypas

Text: Tim Schomacker
Foto: Kay Michalak
Redaktion: Kathrin Schäfer
Technik: Johannes Katzenberger

Tickets
reservieren

Tel. 0421 520 80 70
(Mo-Fr. 10 - 15 Uhr oder AB)
Reservierung für Rollstuhlfahrerplätze empfohlen