Tonia Reeh + Rudi Fischerlehner

Konzert in der HAVARIE am Do, 16.10.2014 | 21:30 Uhr
ab 19 Uhr geöffnet DJ: PINKY ROSE
20:00- 21:00 Uhr Theater MONARCH

‹Wenn Tonia Reeh am Klavier Platz nimmt, freundlich das Publikum begrüßt und pointiert in die Tasten greift, lässt sich die kommende Intensität noch nicht ahnen. Doch kurz darauf fegt Reehs Gesang etwaige Hoffnungen auf einen entspannten Abend grimmig beiseite. Eine unerwartet dunkle Stimme dringt aus Kehle und Seele der zierlichen Musikerin. Mal sprechsingend, mal mit lang angehaltenen Tönen lotet sie verschattete Stimmungen aus, verleiht abgründigen Gedanken und harschen Worten vehement Ausdruck. Selbst in tiefen Registern und vergleichsweise ruhigen Momenten lauert eine hitzige Energie, die jederzeit ausbrechen kann. Unversehens springt Reehs angriffslustiger Alt eine Oktave höher, spitzt die Atmosphäre mit dramatischen Aufschwüngen zu, schraubt sich in Kopflage oder explodiert in einer gnadenlosen Schrei-Attacke.[..]
    Mit Unterhaltung hat sie nichts im Sinn; programmatisch donnerte sie schon auf dem vorhergehenden Album „I hate entertainment“. Die Alternative zu Konsens und Plattitüden liegt für die Berlinerin vor allem im kompromisslosen Ausdruck von Gefühlen.[..] Ungeachtet ihres Gehalts stellt Tonia Reeh die Texte live nicht in den Mittelpunkt. Im Gegenteil zersingt sie die Wörter bisweilen bewusst, um dem Publikum Raum für eigene Assoziationen zu lassen. Ein künstlerischer Entschluss, der Reeh mehr als Musikerin denn als Poetin definiert. Das war auch schon früher so, als sie unter dem Namen Monotekktoni mit Keyboards und Elektronik zu politisch aufgeladenem Punk tendierte oder mit Bands wie Masonne zeitgenössischen Progressive-Rock spielte.[..]
    Souverän balanciert Reeh zwischen Underground-Rock, Neuer Musik und Pop, vereint wohlüberlegte Details mit Expressivität, ohne dabei in spekulatives Pathos zu verfallen. Seit gut einem halben Jahr spielt Tonia Reeh mit dem Schlagzeuger Rudi Fischerlehner, der im Jazz und improvisierter Musik verwurzelt ist und auch als Komponist oder Produzent arbeitet. Seine variablen Patterns auf regulärem Drumset und zusätzlichem Blech passen perfekt zu Reehs kontrastreicher, bisweilen einer Achterbahn ähnelnden Musik. Mal sensibel, mal robust unterstützt Fischerlehner die Songs nicht nur durch präzise klappernde Beats, sondern auch mit lautmalerisch-scheppernden Einsätzen. Das Duo kreiert eine Dichte und Dynamik, die manche weit größere Band verblassen lässt.
    Mit ihrer entschiedenen Haltung und ungestümen Präsenz profiliert sich Tonia Reeh als eine der markantesten Persönlichkeiten unter den deutschen Independent-Songschreiberinnen. › (Text: Norbert Krampf, fax)

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Theater + Konzerte in der Havarie

Rauminstallation/ Kneipe/ Bühne von Anja Fußbach und Tobias Lange vom 09. bis 19. Oktober 2014 in der Schwankhalle mit täglichem Programm!

08.Oktober | 20 Uhr RAUSCH Theater nach August Strindberg und Falk Richter
09.Oktober | 20 Uhr RAUSCH Theater nach August Strindberg und Falk Richter  | 21:30 Uhr JAKOB JAKOB Konzert
10. Oktober | 20 Uhr RAUSCH Theater nach August Strindberg und Falk Richter | 21:30 Uhr DIGGER BARNES Konzert
11. Oktober | 21:30 Uhr FELIX KUBIN Konzert
12. Oktober | 19:00 Uhr STATION 17 ‹Alles für alle Tour› Konzert                      
13. Oktober | 21:30 Uhr  GUT Konzert

14. Oktober | 21:30 Uhr THE GENTLE LURCH Konzert
15. Oktober | 20:00 Uhr MONARCH Theater | 21:30 Uhr DIE SONNE Konzert
16. Oktober | 20:00 Uhr MONARCH Theater | 21:30 Uhr TONIA REEH + RUDI FISCHERLEHNER Konzert
17. Oktober | 20:00 Uhr MONARCH Theater | 21:30 Uhr SPAGHETTI WINGS Konzert
18. Oktober | 19:00 Uhr RIKE SCHEFFLER Konzert | 21:30 Uhr SØS GUNVER RYBERG Konzert
19. Oktober | 19:00 Uhr ›DIE BLUMEN DES BÖSEN‹ CHRISTIAN REDL & VLATKO KUCAN Konzert Performance

Die Rauminstallation HAVARIE von Anja Fußbach und Tobias Lange ersetzt die vermeintlich lineare Bewegung durch Zeit und Raum durch ein assoziatives Verbinden und spielerisches Komponieren beweglicher Objekte. Der Besucher betritt ein Heterotop (aus gr. hetero / anders, topos / Ort). Kirchen, Galerien, Gefängnisse, Kneipen und Festsäle - all diese Orte sind befrachtet mit Utopien. Das Heterotop der ideellen Kneipe ist aufgeladen mit (Alb-)Träumen, Sehnsüchten und Ängsten; mit Leidenschaften und Erinnerungen. Nicht scharf umrissen, sondern skizzenhaft, verschwommen. Durchlässig für neue Bedeutungen, indem es festgelegte Strukturen auflöst und zu Variablen macht.
Die „Havarie“ ist nicht mehr und nicht weniger als die Abstraktion eines bekannten Raumes: eine auf ihre Grundausstattung reduzierte Kneipe. Wände, Möbel, Tresen, Musikbox, Getränke - alles auf Rollen. Alles folgt der eigenen Entscheidung, setzt sich zu den Besuchern in Beziehung und wird von ihnen in Beziehung gesetzt.

Die HAVARIE war erstmalig zu sehen im Alten Saal der Schwankhalle vom September bis Dezember 2013 und war Kontext für Gastspiele, Lesungen, kleine Formate, Reihen und Theaterproduktionen.

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Tel. 0421 520 80 70
(Mo-Fr. 10 - 15 Uhr oder AB)
Reservierung für Rollstuhlfahrerplätze empfohlen